Gedanken zu „Solitaire“ von Alice Oseman

Die Rezension zu diesem Buch findet ihr hier

Dieses Buch hat mich so aufgewühlt! Wirklich, ich glaube, ein Buch hat mich vorher nie auf diese Weise berührt und zum Nachdenken gebracht.

Aber gehen wir das ganze mal am besten ganz chronologisch an, okay? Also…Tori, Tori Spring. Um dieses Buch zu mögen, muss man sie mögen. Und ich kann mir vorstellen, dass viele überhaupt nicht mit ihr klar kommen. Sie ist die pessimistischste, sarkastischste und kritischste Person, die mir je begegnet ist – im echten Leben und in Büchern. Ihr Lieblingssatz ist:

„Das ist lustig, weil es wahr ist.“

Die Personen um sie herum erscheinen einem so sonderbar wie sie und die ganze Geschichte selbst. Aber ich denke, dass ist nur so, weil sie von Tori beschrieben werden. Ich selbst würde einige Dinge wahrscheinlich ganz anders wahrnehmen.

Da gäbe es zum Beispiel Charly. Er ist wunderbar, trotz seiner „Krankheit“ und ich denke, dass er wichtig in der Geschichte ist, um Tori zumindest mal von einer anderen Seite zu sehen. Würde Charly fehlen, würde allgemein etwas in der Geschichte fehlen.Durch ihn lernt man Toris fürsorgliche und besorgte Seite kennen. Ansonsten ist ihr nämlich alles ziemlich egal. Denkt sie zumindest.

Ich mag Tori und ich glaube auch nicht, dass sie komisch ist. Sie spricht vielleicht nur einfach das aus, was wir anderen denken oder was uns noch nicht mal klar ist. Obwohl es irgendwo in uns allen zu finden ist. Theoretisch könnte man also unser aller Leben so erzählen, wie Tori es tut und dann wären wir diejenigen, die für anders gehalten werden.

Tori ist vielleicht in einem Teufelskreis, weil sie nicht mehr aus dieser Denkweise herauskommt – klar es ist einerseits ein Charakterzug, andererseits aber auch eine Lebenseinstellung. Natürlich ist es nicht schlimm oder falsch so zu sein, aber Tori verzweifelt ja oft selbst an ihrem Verhalten. Ich habe in diesem Buch ziemlich viel markiert, weil ich irgendwie das Gefühl hatte, dass ständig schlaue und wichtige Dinge gesagt werden.

Aber kommen wir mal zu Solitaire. Es ist von Anfang an das, was es behauptet und doch irgendwie anders. Was es mit Tori anstellt und was es mit den anderen anstellt, ist witzig zu beobachten. Vor allem ist es aber wichtig für Tori, weil ihr so einiges klar wird. Eigentlich steht dieser Blog nämlich gar nicht im Vordergrund der Geschichte, sondern ist der Auslöser dafür.

Dass Tori erst so spät versteht, wer Michael ist, hat mich überrascht. Eigentlich dachte ich, dass sie vorgibt, genau so nicht zu sein. Es heißt schließlich auch „gleich und gleich gesellt sich gern“. Beim Lesen habe ich mir wirklich oft gedacht: „Mädchen, mach die Augen auf, dann würde es dir auch nicht so schwer fallen!“

Die Beziehung die Tori zu Becky hat, finde ich lustig (,weil es wahr ist, hihi). Zum einen muss ich Tori bei der Kritik an ihrer „besten Freundin“ recht geben, zum anderen kann ich es nicht – sie übertreibt. In manchen Situationen ist Becky genauso, wie sie von Tori beschrieben wird, aber diese Situationen sind  selten und eigentlich auch total unauffällig, dass sie ohne Toris Kommentare untergehen würden – meiner Meinung nach.

Klar, Becky ist in einer Hinsicht vielleicht ein lebendes Klischee, aber andererseits denke ich, dass es nur so ist, weil Tori sie so sieht und sie auch gar nicht anders sehen möchte. Tori sagt, Becky habe sich verändert. Aber das glaube ich nicht, ebenso wie Becky. Allein schon die Tatsache, dass Tori mit Bestnoten in die Oberstufe kam, zeigt doch, dass sie sich ganz schön verändert haben muss.

Die Sache mit Ben ist nur wegen Solitaire sinnvoll. Ansonsten habe ich sie nicht richtig verstanden. Ich hätte mir hier gewünscht, dass sie später mehr thematisiert und „aufgeklärt“ wird. Aber das ist nicht der Fall.

Ich weiß nicht, ob ich noch etwas sagen muss, ich denke nicht. Zum Abschluss habe ich noch zwei interessante Zitate ausgesucht. Habt ihr nun einen Eindruck von diesem Buch?

„Außergewöhnlich ist bloß eine Erweiterung von gewöhnlich.“ Michael Holden

„Die Menschen leiden an einer tödlichen Krankheit, die Gefühle heißt und wir werden alle daran sterben.“ Victoria Annabel Spring (Tori)

Übrigens hat dieses Buch die lustigste Autorenbeschreibung von allen ! 😀

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